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 Donnerstag, 20. Juni 2013
Stimmungsmache für Deutschlands Teilnahme in der Besatzung Libyens PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Knut Mellenthin (Junge Welt, 26 August 2011)   
Donnerstag, den 25. August 2011 um 22:23 Uhr
http://www.jungewelt.de/2011/08-26/025.php
26.08.2011 / Ansichten / Seite 8Inhalt
<http://www.jungewelt.de/2011/08-26/index.php>  
Germans to the Front
Drängeln nach einem Libyen-Einsatz
Von Knut Mellenthin

Die Losung »Deutsche an die Front« war angeblich ein Befehl von Admiral
Seymour, der die internationale Interventionstruppe gegen den Aufstand
chinesischer Nationalisten im Mai und Juni 1900 kommandierte. Die Parole
hatte einen konkreten, aktuellen Sinn, wurde aber zum geflügelten Ausdruck
deutscher Selbstgefälligkeit und Aggressivität. Ob wirklich irgend jemand
außerhalb unserer Grenzen Deutsche an der Front sehen will, spielt dabei
keine entscheidende Rolle.

So wächst derzeit die Zahl mehr oder weniger wichtiger deutscher Politiker,
die die Entsendung von Bundeswehrsoldaten nach Libyen »nicht ausschließen«,
sondern »konstruktiv prüfen« wollen, »wenn eine Anfrage von der UNO kommt«.
Das ist so ungehobelt und aufdringlich, als würde man sich selbst bei
Bekannten zum Grillabend einladen, »falls ihr uns darum bittet«. Schließlich
ist weit und breit keine solche Anfrage der UNO in Sicht. Eine Stationierung
von Bodentruppen ist bisher auch kein Thema öffentlicher Debatten zwischen
den NATO-Staaten, geschweige denn unter den Libyern als eigentlichen
Betroffenen der zur Schau gestellten deutschen Hilfsbereitschaft.

Als erster bekundete Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) am
Wochenende vorsorglich sein Interesse an einem Bundeswehreinsatz in Libyen.
Zu den Politikern, die eine eventuelle Anfrage »ernsthaft prüfen« wollen,
gesellte sich am Donnerstag der Europaparlamentarier Alexander Graf
Lambsdorff von der FDP. Er sieht diese freiwillige Meldung an die Front auch
als »Signal an die Verbündeten«, nachdem Deutschland schon beim Luftkrieg
gegen Libyen nicht mittun wollte. Auch der außenpolitische Sprecher der
CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Philipp Mißfelder, will einen Bundeswehreinsatz
in Nordafrika »prüfen«.

Allerdings scheint es nicht ausgeschlossen, daß Spiegel online diese
Auskunft gezielt aus dem Unionspolitiker herausgefragt hat. Das
Nachrichtenmagazin bemüht sich schon seit Monaten um eine Korrektur der
deutschen »Fehlentscheidung«, sich an der Militärintervention nicht zu
beteiligen. So schrieb Severin Weiland am Mittwoch: »Deutsche Soldaten zur
Sicherung des Aufbauprozesses, damit muß Berlin ernsthaft rechnen. Bei einer
möglichen militärischen Lastenverteilung in der Nachkriegsordnung dürften
Amerikaner, Briten und Franzosen auch nach Berlin blicken.«

In Wirklichkeit ist das jedoch beim Stand der Dinge weder eine Analyse noch
eine Einschätzung, sondern einfach nur die getarnte Projektion eigener
Wünsche.

Zu denen, die den damaligen »Fehler« der Bundesregierung schnellstens und
radikal »wiedergutmachen« wollen, gehört auch Grünen-Chef Cem Özdemir. Der
Rheinischen Post erzählte er: »Die Zeit der deutschen Sonderwege in der
Libyen-Frage muß jetzt endgültig vorbei sein.« Und selbstverständlich:
Sollte irgend jemand um Bundeswehr-Soldaten bitten, »werden wir das
ernsthaft prüfen«.
 
 
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