|
Der »antideutsche« Wahn ist eine spezielle Variante der Imperialismus-Apologie - die Befürwortung des deutschen Imperialismus inbegriffen. Denn was die Bundeskanzlerin zu einem Teil der deutschen Staatsräson erklärt hat, die bedingungslose Unterstützung des zionistischen Projekts, ist letztlich auf die Sicherung der westlichen Vorherrschaft in Nahost gerichtet. Die Zerstörung der antiimperialistischen Vernunft hat auch in der Linkspartei um sich gegriffen. Das wurde spätestens mit Gysis Rede zum 60. Jahrestag der Gründung des Staates Israel, in der er den Antiimperialismus für überholt erklärte, offenkundig.
Als besonders aggressiver Bannerträger der weißen Vormachtstellung in der Welt, was sich auch schon mal in der Verzierung des Karl-Liebknecht-Hauses mit dem Sternenbanner ausdrückte, tritt der Bundesarbeitskreis Shalom in Erscheinung. Das könnte unter Kuriositäten vermerkt werden, hätten die Nachwuchskader, die im Habitus eines parteiinternen Verfassungsschutzes auftreten, nicht prominente Fürsprecher an der Parteispitze, zu denen neben Dietmar Bartsch, Katja Kipping, Petra Pau und Bodo Ramelow auch Jan Korte zählt.
Dem Datenschutzbeauftragten der Linksfraktion und Parteigänger des Forums Demokratischer Sozialismus war es gestattet, sich in der »antideutschen« Jungle World über das »Antisemitismus-Problem« in der Partei Die Linke auszulassen. Zwar warnt Korte einleitend, mit dem Antisemitismus-Vorwurf allzu leichtfertig umzugehen. »Im Verhältnis zu Israel aber«, schreibt er, »gibt es Diskussionsbedarf in der Partei, da einige geradezu obsessiv eine einseitige Kritik an Israel verfolgen.« »Einseitig« nennt Korte die Kritik an der völkerrechtswidrigen Besatzungspolitik, an der illegalen Blockade des Gazastreifens, an den Positionen der israelischen Regierung, die in allen wesentlichen Punkten, vom Recht auf Rückkehr der 1948 Vertriebenen bis zur Jerusalem-Frage, Beschlüssen des UN-Sicherheitsrates zuwiderlaufen. Um dann auch noch hinzuzufügen: »Schon die Behauptung, man könne Israel nicht kritisieren, ist eine Lüge und ein von Ressentiment getragenes Vorurteil.«
Was aus der Linkspartei bisher an Kritik am jüdischen Staat geäußert wurde, betraf ausschließlich dessen Kriegs- und Besatzungspolitik. Keiner unter den Linkspolitikern hat bisher das Existenzrecht Israels in Frage gestellt, obwohl die Frage, warum ausgerechnet einem Apartheid-Staat das Recht auf ewige Existenz zugesprochen werden soll, durchaus gestattet sein müßte. Immerhin ist die Transformation des jüdischen Staates in einen Staat seiner Bürger ein von der radikalen israelischen Linken schon seit langem heiß diskutiertes Thema. Es aufzugreifen, bedarf indes eines entschieden größeren Reflexionsvermögens, als es die Kriegshetzer vom BAK Shalom und ihre parteioffiziellen Unterstützer aufzubringen vermögen.
»Wer Israel als koloniales Gebilde und Vorposten des US-Imperialismus ansieht«, schreibt das Mitglied des Innenausschusses des Bundestages, »der ist in linken Denkweisen der siebziger und achtziger Jahren hängengeblieben.« Nun ist der zionistische Staat tatsächlich nicht bloß eine Funktion des US-Imperialismus, sondern übt umgekehrt auch einen maßgeblichen Einfluß auf die Nahostpolitik des Imperiums aus. Außer Zweifel steht aber auch, daß Israel bewußt die Rolle eines Vorpostens der »westlichen Wertegemeinschaft«, wie sich die weiße Vorherrschaft zu umschreiben pflegt, einnimmt. Besonders bemerkbar macht sich das an der Haltung des israelischen Establishments gegenüber den arabischen Emanzipationsbewegungen, die auf die schlichte Formel gebracht werden kann, daß die arabische Demokratie schlecht für Israel sei. »Israel ist ein moderner, demokratischer Klassenstaat - im Gegensatz zu vielen archaischen Klassenstaaten in der Region«, läßt Jan Korte seinen Ressentiments, die der 2003 verstorbene Kulturwissenschaftler Edward Said unter dem Begriff »Orientalismus« subsumiert hat, freien Lauf. In Wahrheit aber will die zionistische Herrenvolk-Demokratie keine von ihr als arabische »Pöbelherrschaft« verachteten Demokratien an ihrer Seite wissen. Bildete doch die Mubarak-Diktatur einen der wichtigsten Tragpfeiler der israelischen Sicherheitsarchitektur. Wohl deshalb schreibt Jan Korte ganz im sozialdarwinistischen Geist der Dschungelwelt: »Zur fortschrittlichen Überwindung überholter Debatten gehört auch, den Geist des nationalen Befreiungskampfes zu überwinden.« Die nationale Befreiung aber wird sich von »linken Wünschen« aus den Metropolen kaum aufhalten lassen.
http://www.jungewelt.de/2011/05-28/007.php 28.05.2011 /
<http://www.jungewelt.de/2011/05-28/index.php>
Der Schwarze Kanal: Dschungelwelt
Von Werner Pirker
Der »antideutsche« Wahn ist eine spezielle Variante der Imperialismus-Apologie - die Befürwortung des deutschen Imperialismus inbegriffen. Denn was die Bundeskanzlerin zu einem Teil der deutschen Staatsräson erklärt hat, die bedingungslose Unterstützung des zionistischen Projekts, ist letztlich auf die Sicherung der westlichen Vorherrschaft in Nahost gerichtet. Die Zerstörung der antiimperialistischen Vernunft hat auch in der Linkspartei um sich gegriffen. Das wurde spätestens mit Gysis Rede zum 60. Jahrestag der Gründung des Staates Israel, in der er den Antiimperialismus für überholt erklärte, offenkundig.
Als besonders aggressiver Bannerträger der weißen Vormachtstellung in der Welt, was sich auch schon mal in der Verzierung des Karl-Liebknecht-Hauses mit dem Sternenbanner ausdrückte, tritt der Bundesarbeitskreis Shalom in Erscheinung. Das könnte unter Kuriositäten vermerkt werden, hätten die Nachwuchskader, die im Habitus eines parteiinternen Verfassungsschutzes auftreten, nicht prominente Fürsprecher an der Parteispitze, zu denen neben Dietmar Bartsch, Katja Kipping, Petra Pau und Bodo Ramelow auch Jan Korte zählt.
Dem Datenschutzbeauftragten der Linksfraktion und Parteigänger des Forums Demokratischer Sozialismus war es gestattet, sich in der »antideutschen« Jungle World über das »Antisemitismus-Problem« in der Partei Die Linke auszulassen. Zwar warnt Korte einleitend, mit dem Antisemitismus-Vorwurf allzu leichtfertig umzugehen. »Im Verhältnis zu Israel aber«, schreibt er, »gibt es Diskussionsbedarf in der Partei, da einige geradezu obsessiv eine einseitige Kritik an Israel verfolgen.« »Einseitig« nennt Korte die Kritik an der völkerrechtswidrigen Besatzungspolitik, an der illegalen Blockade des Gazastreifens, an den Positionen der israelischen Regierung, die in allen wesentlichen Punkten, vom Recht auf Rückkehr der 1948 Vertriebenen bis zur Jerusalem-Frage, Beschlüssen des UN-Sicherheitsrates zuwiderlaufen. Um dann auch noch hinzuzufügen: »Schon die Behauptung, man könne Israel nicht kritisieren, ist eine Lüge und ein von Ressentiment getragenes Vorurteil.«
Was aus der Linkspartei bisher an Kritik am jüdischen Staat geäußert wurde, betraf ausschließlich dessen Kriegs- und Besatzungspolitik. Keiner unter den Linkspolitikern hat bisher das Existenzrecht Israels in Frage gestellt, obwohl die Frage, warum ausgerechnet einem Apartheid-Staat das Recht auf ewige Existenz zugesprochen werden soll, durchaus gestattet sein müßte. Immerhin ist die Transformation des jüdischen Staates in einen Staat seiner Bürger ein von der radikalen israelischen Linken schon seit langem heiß diskutiertes Thema. Es aufzugreifen, bedarf indes eines entschieden größeren Reflexionsvermögens, als es die Kriegshetzer vom BAK Shalom und ihre parteioffiziellen Unterstützer aufzubringen vermögen.
»Wer Israel als koloniales Gebilde und Vorposten des US-Imperialismus ansieht«, schreibt das Mitglied des Innenausschusses des Bundestages, »der ist in linken Denkweisen der siebziger und achtziger Jahren hängengeblieben.« Nun ist der zionistische Staat tatsächlich nicht bloß eine Funktion des US-Imperialismus, sondern übt umgekehrt auch einen maßgeblichen Einfluß auf die Nahostpolitik des Imperiums aus. Außer Zweifel steht aber auch, daß Israel bewußt die Rolle eines Vorpostens der »westlichen Wertegemeinschaft«, wie sich die weiße Vorherrschaft zu umschreiben pflegt, einnimmt. Besonders bemerkbar macht sich das an der Haltung des israelischen Establishments gegenüber den arabischen Emanzipationsbewegungen, die auf die schlichte Formel gebracht werden kann, daß die arabische Demokratie schlecht für Israel sei. »Israel ist ein moderner, demokratischer Klassenstaat - im Gegensatz zu vielen archaischen Klassenstaaten in der Region«, läßt Jan Korte seinen Ressentiments, die der 2003 verstorbene Kulturwissenschaftler Edward Said unter dem Begriff »Orientalismus« subsumiert hat, freien Lauf. In Wahrheit aber will die zionistische Herrenvolk-Demokratie keine von ihr als arabische »Pöbelherrschaft« verachteten Demokratien an ihrer Seite wissen. Bildete doch die Mubarak-Diktatur einen der wichtigsten Tragpfeiler der israelischen Sicherheitsarchitektur. Wohl deshalb schreibt Jan Korte ganz im sozialdarwinistischen Geist der Dschungelwelt: »Zur fortschrittlichen Überwindung überholter Debatten gehört auch, den Geist des nationalen Befreiungskampfes zu überwinden.« Die nationale Befreiung aber wird sich von »linken Wünschen« aus den Metropolen kaum aufhalten lassen.
|