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28.02.2011 / Ansichten / Seite 8
Bei Diktatoren
Gastkommentar. Wulff auf Reisen am Golf
Von Sevim Dagdelen
Kaum ist in Abu Dhabi mit der IDEX 2011 eine der weltweit größten
Rüstungsmessen zu Ende gegangen, bei der Deutschland zu den vier größten
nationalen Ausstellern gehörte, reist Bundespräsident Christian Wulff nach
Kuwait und Katar. Begleitet wird er von einer »hochkarätigen
Wirtschaftsdelegation«, darunter Spitzenmanager der Konzerne VW und
Hochtief, an denen Katar Anteile hält, sowie Bahn-Chef Rüdiger Grube. Die
Deutsche Bahn AG soll im Emirat für etwa 17 Milliarden Euro ein
Schienenverkehrsnetz und zur benachbarten Insel eine Verbindung aufbauen.
Trotz aller Bekenntnissen zur Demokratisierung und der Solidarisierung mit
Protestierenden gilt: Geschäft über alles. Das deutsche Kapital schert sich
einen Dreck um die Ermordeten in der arabischen Welt. Hauptsache, die Kasse
stimmt.
Da müssen erst Demonstrationen in Libyen aus der Luft beschossen werden,
bevor Deutschland und die EU einen einstweiligen Stopp der Rüstungsexporte
erwägen und schließlich einleiten. Wozu all die Waffen dienen, die in den
vergangenen Jahren nach Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten und auf
die Arabische Halbinsel geliefert wurden, war stets klar: zur Kontrolle und
Unterdrückung der Bevölkerung. Überdeutlich wird das jetzt an den
aufgeregten Debatten über den vermeintlichen »Exodus biblischen Ausmaßes«
aus Nordafrika. Stichwortgeber für die gesamte EU ist der extrem rechte
italienische Innenminister Roberto Maroni von der neofaschistischen Lega
Nord.
Während aber gerade massakriert wird, möchte man sich lieber nicht blicken
lassen. Deshalb verkürzte Wulff seine Arabien-eise um einen Tag und ließ den
Besuch in Bahrain ausfallen. Dort wurde schon mehrfach auf Demonstrationen
geschossen, mindestens sieben Menschen kamen dabei bislang ums Leben. In
Kuwait wollte Wulff etwas später ankommen, nämlich nach einer Militärparade,
die zunächst auf seinem Programm stand. Es hieß, »um in diesen Zeiten
gewaltsamer Auseinandersetzung in vielen arabischen Ländern martialische
Bilder zu vermeiden«. Für das deutsche Staatsoberhaupt spielt der Gedanke,
Blutvergießen generell zu verhindern, offenbar keine Rolle. Kuwait hält
übrigens an der Todesstrafe fest, Journalisten und Blogger werden verfolgt
und inhaftiert, Frauen dürfen nicht einmal einen Paß besitzen.
Kurz vor seiner Abreise, bei einem Bankett zu Ehren Michail Gorbatschows,
hatte Wulff seine Unterstützung für die »Freiheitsbewegungen« in den
arabischen Ländern beteuert. Ob er damit die monarchistischen Diktatoren,
Autokraten und die übelsten Menschenrechtsverletzer meinte, deren
Gastfreundschaft er jetzt genießt, bleibt sein Geheimnis - und das von
Merkel und Westerwelle, mit denen die Reise abgestimmt wurde.
Unsere Autorin ist Mitglied im Auswärtigen Ausschuß des Deutschen
Bundestages und Sprecherin für Internationale Beziehungen der Fraktion Die
Linke
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