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Israels falsche Freunde entlarvt
Seminar in Bonn beschäftigt sich mit Strategie sogenannter Antideutscher -
und berät über Gegenmaßnahmen
Von Rainer Rupp Junge Welt, 26. Oktober 2010
Am Sonntag endete in Bonn ein zweitägiges Seminar des Koordinationskreises
»Israels falsche Freunde«, in dem sich Vertreter eines breiten Spektrums
kirchlicher und säkularer Organisationen zusammengetan haben. Ziel war es,
die Methoden der pro-israelischen Kriegstreiber zu analysieren und
gemeinsame Maßnahmen zu deren Entlarvung zu beschließen. In ihrem Beitrag
identifizierte die Hamburger Publizistin und Journalistin Susann Witt-Stahl
die »Antideutschen« als die virulentesten und rabiatesten falschen Freunde
Israels, die längst nicht mehr davor zurückschreckten, israelkritische
Versammlungen mit Gewalt zu sprengen. Lautstark präsentierten sie sich als
die einzig wahren Freunde der Juden in Israel, wobei sie die Politik der
Kriegsverbrecher an der Spitze des Staates bedingungslos unterstützten.
Deren Kritiker denunzierten sie als »Antisemiten«. Es werde sogar versucht,
deren berufliche Existenz mit Hilfe von medialen Hetzkampagnen zu
vernichten, so Witt-Stahl.
»Antideutsche« gibt es heute überall - in Parteien, Universitäten und der
autonomen Szene. Bei ihren intellektuellen Vordenkern handelt es sich
weitgehend um ehemalige Linke aus den damals westdeutschen »K-Gruppen«. Die
wollten nach dem Untergang des real existierenden Sozialismus nicht zu den
Verlieren gehören und haben die Verteidigung des Schurkenstaates Israel,
insbesondere gegen Kritik von links, zu ihrem Ziel erhoben. Nicht nur das
hat den »Antideutschen« den Weg in die gute Stube des Kapitals geebnet und
berufliche und materielle Anerkennung gebracht.
Unter Verweis auf ihre linke Herkunft und bewandert im Gebrauch von linkem
Vokabular, haben die »Antideutschen« einen Weg gefunden, um insbesondere
junge, noch politisch unbedarfte Menschen, die sich selbst als links wähnen,
zu Kämpfern für das neoliberale Gesellschaftsmodell der westlichen,
herrschenden Klasse und deren neokonservative Kriegspolitik
umzufunktionieren. Dies wird in der Regel mit einer abstrusen, aber
offensichtlich wirksamen Argumentationskette erreicht: Unter Berufung auf
Marx wird der Kapitalismus mit Fortschritt und Zivilisation gleichgesetzt.
Mit Marx und Adorno setzt man sich dann radikal für freie Märkte ein. Als
nächstes wird Antikapitalismus mit Antisemitismus gleichgesetzt. Zugleich
wird die historische Situation vor dem Zweiten Weltkrieg und der Shoah mit
der geopolitischen Situation der Gegenwart gleichgesetzt, wobei die
islamische Welt, insbesondere aber die Palästinenser und die Iraner die
neuen Nazis sind, deren Vernichtung durch neue Kriege zur Unterstützung
Israels gefordert wird. Die Forderungen pazifistischer Organisationen nach
Frieden werden als Einknicken vor dem »Islam-Faschismus« abgetan. So
verrückt dies klingen mag, diese rassistische und gewaltbereite Ideologie
der »Antideutschen« hat Erfolg, in allen Gesellschaftsschichten.
Konzentriert findet man ihre Anhänger in der Partei Die Linke und in der
Rosa-Luxemburg-Stiftung, auch Parlamentarier und wissenschaftliche
Mitarbeitern.
Für das kommende Wochenende rufen auch »Antideutsche« zum
1.Deutsch-Israelischen Kongreß und zur Solidarität mit den Besatzern und
Kriegsverbrechern ins Frankfurter Titus-Forum. Die Teilnehmer in Bonn
berieten hingegen, wie dem Mißbrauch junger Menschen durch die offen
rassistischen und gewaltbereiten »Antideutschen« etwas entgegengesetzt
werden kann.
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