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Wird ein guter Wind kommen ? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Amnon Rubinstein   
Donnerstag, den 17. Februar 2005 um 11:18 Uhr

WIRD EIN GUTER WIND KOMMEN?

Von Amnon Rubinstein*

* Übersetzung aus dem Hebräischen. HA'ARETZ, 7. April 1982 (Ausschnitt). Originaltitel: "Ha'im tavo ruah tova?"

Um aufzuzeigen, daß ein böser Wind weht, daß ein von kapitalistischer Genußsucht begleiteter Geist der Intoleranz herrscht, sind keine Fakten und keine Dokumente nötig. Es genügt eine einfache Ortsbesichtigung. In den ersten Jahren nach der Errichtung des Staates, als die Erinnerung an die feindlichen Übergriffe der Araber, die das Leben der hebräischen Gemeinde gefährdet hatten, noch frisch war, wohnten im verlassenen Jaffa jüdische Neueinwanderer und in der Stadt zurückgebliebene Araber nebeneinander. Es entwickelten sich zwischen ihnen freundschaftliche Beziehungen, die zum Teil bis auf den heutigen Tag gepflegt werden. Heute aber, nachdem in Jaffa eine Generation herangewachsen ist, die den Hauptteil ihrer Erziehung im Land erfahren hat, ist es ganz und gar unmöglich, gemeinsame Wohnquartiere für Juden und Araber zu planen. Die städtischen und staatlichen Gesellschaften erklären ganz offen, daß sie in ordentlichen Wohnvierteln keine Wohnungen an arabische Einwohner verkaufen können. Die jüdischen Anwohner dulden dies nicht, und den arabischen Nachbarn würde zudem Gefahr drohen.

Von jeher gab es in Israel eine Debatte über den Begriff der 'Reinheit der Waffen' *8, aber in den ersten Jahren unserer Unabhängigkeit wurde niemals die Frage zur Diskussion gestellt, ob es im Namen angeblich religiöser Pflichten erlaubt ist, arabische Zivilisten, Frauen und Kinder, zu töten. Als der entsetzliche Zwischenfall von Kafr Qassem [Das Massaker in dem israelischen Araberdorf Kafr Qassem geschah am Vorabend der Israelischen Sinai-Invasion von 1956. Ein ausführlicher und wahrscheinlich kaum mehr beschönigter Artikel darüber erschien aus Anlaß des 25. Jahrestages am 23. Oktober 1981 in HA'ARETZ (Kafr Qassem - Die schwarze Fahne. Von Tom Schegev) - H.S.] passierte, fand sich niemand in der israelischen Öffentlichkeit, der die Tat als solche gerechtfertigt hätte. In den letzten Jahren jedoch wurden von Rabbinern, die eine zeitlang im Armee-Rabbinat und im israelischen Erziehungswesen tätig waren, mehrere Artikel verfaßt, in denen dargelegt wird, daß es tatsächlich eine heilige Religionspflicht höheren Grades ist ("Mitzwa de'oraita"), die Araber aus den Städten Israels zu vertreiben, und im Kriegsfall das Leben von Frauen und Kindern nicht zu schonen. Ich denke dabei, unter anderem, an die mit Haß geladenen Artikel der Rabbiner Efraim Tsemel und Ja'akov Ariel, deren rassistische Bedeutung ich an anderer Stelle untersucht habe.

Als Mescha Mischkan - der Held von Jamit - der Planung eines Massakers unter der arabischen Bevölkerung in Jerusalem für schuldig befunden wurde, gab er vor Gericht zu Protokoll, daß er seine Absicht, eine Handgranate in eine arabische Menge zu werfen, dem Rabbiner der Jeschiwa der Siedlung Elon Moreh mitgeteilt und ihn um Rat gefragt habe. Der Rabbi habe ihm gesagt, er müsse zuerst die Frage klären, ob es nach dem Jüdischen Religionsgesetz ("Halacha") erlaubt ist, arabische Passanten zu töten, und daher könne er ihm nicht sofort antworten. "Aber was immer sich ergeben wird", so gab ihm der Rabbi zu verstehen, "ich glaube nicht, daß meine Antwort positiv ausfallen wird, weil Du durch Zufall auch Juden verletzen könntest."

Rabbi Israel Hess schreibt in der Studentenzeitung der Bar Ilan Universität (Tel Aviv) einen Artikel unter der Überschrift: "Die Heilige Pflicht (Mitzwa) zum Genocid gemäß dem Jüdischen Religionsgesetz (Torah)", und er erläutert darin, daß eine heilige Pflicht besteht, in einem Krieg zwischen Juden und Amalekitern Kinder und Säuglinge umzubringen und auszurotten. Wer sind die Amalekiter? Jeder, dem ein Krieg gegen die Juden heilig ist; und gegen diesen Krieg "... erklärt der Herr einen Gegen-Jihaad ... und zieht persönlich mit in diesen Krieg" und verpflichtet alle, die an ihn glauben, zu einem Genocid gegen den Feind. Und der Rabbi schließt mit den unsterblichen Worten: "Bald wird der Tag kommen, an dem wir aufgerufen werden, jeder von uns, diesen Krieg der Heiligen Pflicht zur Ausrottung der Amalekiter zu Ende zu führen." Zweifellos gemäß Militär-Erlaß Nummer 8 (Einberufung von Reservisten in Notstandszeiten).

Abraham Semel (Avidan), der frühere Militär-Oberrabbiner im Kommandobezirk Mitte (Jerusalem und besetzte Westbank), wartet die Notstands-Einberufung gar nicht erst ab. In einem berüchtigten Artikel hat er es als ein Jüdisches Religionsgesetz dargestellt, daß die Ermordung von nichtjüdischen Zivilisten, Frauen und Kinder eingeschlossen, während eines Krieges seine Berechtigung hat: "Darüber sagen sie (d. h. die Talmud-Weisen): Töte auch den Besten unter den Gojim, und einem Goi soll niemals getraut werden, auf daß er unseren eigenen Leuten keinen Schaden zufüge."

Solche entsetzlichen Äußerungen kommen von Rabbinern, ohne daß jemand protestiert, und ohne daß eine rabbinische Persönlichkeit gegen solche Aufrufe zum Völkermord Verwahrung einlegt...

 
 
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