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So denkt die Jugend PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Schlomo Ari'el   
Donnerstag, den 17. Februar 2005 um 00:06 Uhr

SO DENKT DIE JUGEND

Ein Brief an den Herausgeber

Von Dr. Schlomo Ari'el*

* Übersetzung aus HA'ARETZ, 1. Dezember 1983.

Im Rahmen meiner beruflichen Pflichten hatte ich kürzlich Gelegenheit, mit Gruppen von Jugendlichen vor ihrer Einberufung zur Armee Gesprächsrunden zu Tagesthemen abzuhalten. Ich bin mit etwa zehn Gruppen von jeweils fünfzig Jungen zusammengekommen, die in gewissem Sinn als repräsentativer Querschnitt der jüdischen Bevölkerung dieser Altersstufe in Israel gelten können, weil sämtliche sozialen Schichten aus allen Volksgruppen vertreten waren. Im Zusammenhang mit der Fernsehsendung vom 1. November mit Finkelstein aus Ober-Nazareth brachte ich das Thema der Haltung gegenüber Arabern zur Sprache, die israelische Staatsbürger sind. Die große Mehrheit der jugendlichen Gesprächsteilnehmer identifizierte sich voll und ganz mit Finkelsteins rassistischer Einstellung gegen diese Araber. Als ich geltend machte, daß sie israelische Bürger sind, denen eine gesetzliche Gleichbehandlung zusteht, war die typische Reaktion, daß ihnen dann eben die israelische Staatsbürgerschaft entzogen werden müsse. In jeder Diskussionsgruppe gab es einige Jugendliche, die bis zum Vorschlag der physischen Ausrottung dieser israelischen Bürger gingen, einschließlich der Alten, der Frauen und der kleinen Kinder. Der Vergleich mit dem Massaker in den Beiruter Flüchtlingslagern Sabra und Schatila (vom September 1982), oder mit den Nazi-Shlächtereien, wurde von ihnen gutgeheißen, ja sie gaben in völliger Offenheit zu erkennen, daß sie eine derartige Ausrottungsaktion mit eigenen Händen und ohne Gewissensbisse mitgemacht hätten. Kein einziger zeigte sich angesichts solcher Vorschläge schockiert oder brachte Einwände vor. Es gab hingegen einige, die sagten, daß eine physische Ausrottung nicht nötig sei, eine Vertreibung über die Grenzen würde genügen.

Viele andere traten für Apartheid wie in Südafrika ein. Der Hinweis, daß für die Araber mit israelischer Staatsbürgerschaft dieses Land ihr Heimatland ist, wurde mit Erstaunen und Spott aufgenommen. Jedes moralische Argument wurde höhnisch zurückgewiesen. In jeder Gruppe waren allenfalls zwei oder drei Jugendliche mit humanistischer und antirassistischer Einstellung in dieser Frage, aber es war ihnen anzumerken, daß sie sich fürchteten, ihre Meinung offen auszudrücken. Und tatsächlich wurden auch die ganz wenigen, die mutig genug waren, ihre unpopuläre Ansicht zu äußern, sofort durch einen Chor der Entrüstung zum Schweigen gebracht.



 
 
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