|
KU-KLUX-KLAN IN OBER-NAZARETH
Von Heda Bosches*
* Übersetzung aus HA'ARETZ, 12. Dezember 1983. Heda Bosches ist die Fernsehkorrespondentin von HA'ARETZ.
Ich bewundere Dan Margalits Selbstbeherrschung. Wäre ich an seiner Stelle als Leiter der Fernsehsendung gewesen, ich hätte Galila Barkai, die Vertreterin von MENA aus Ober-Nazareth, zurechtgewiesen. Sie unterscheidet sich von Alexander Finkelstein nur im Ausdrucksstil, ansonsten sind die beiden siamesische Zwillinge. Während ich dieser brutalen und militanten Frau zuhörte, fühlte ich mich als Fremde in meinem eigenen Land, das Leute wie diese hervorbringt. Galila Barkai, die Hauptsprecherin des Programms "Mifgaschim" ("Treffpunkte") am vergangenen Donnerstag aus Ober-Nazareth, ist für mich ein Symbol des Bestiahisierungs-Prozesses, den wir durch machen. An manchen Stellen wollte ich mir einreden, daß diese Frau und die anderen Repräsentanten der jüdischen Einwohner von Ober-Nazareth nicht hören und nicht verstehen, was sie da von sich geben.
Aber für solchen Optimismus ist kein Platz. Diese Herrschaften, genau wie die Bewohner des Wohnhauses, die sich in Kaspis Film gegen eine arabische Frau zusammenscharten, die dort eine Wohnung gemietet hat, artikulierten reinen Rassismus. Sie artikulierten den gleichen Rassismus, der für die Verschickung von Millionen luden in die Gaskammern verantwortlich war (und ich bekenne, daß ich mich bis zum heutigen Tag beharrlich geweigert habe, diesen Vergleich zu ziehen!). Wenn das zum Beispiel in Frankreich passieren würde, so gab ein arabischer Bewohner von Nazareth während der Sendung zu bedenken, und die Einwohner einer französischen Stadt würden sich im Namen der Reinhaltung der Rasse und der Bewahrung des "Franzosentums" gegen Juden zusammenscharen, die sich im Ort niederlassen möchten, die Juden würden alle Welt in Bewegung setzen und vor Antisemitismus warnen. . Darauf antwortete die energische Frau mit den kalten Augen, daß der Unterschied der sei, daß es in Israel diese "schönen Seelen" gibt, die für die Araber eintreten. Als ob es in Frankreich keine Leute mit Gewissen gäbe. Und selbst wenn es dort keine Leute mit Gewissen gäbe, wo soll da der grundlegende Unterschied sein? Was mich betrifft, ich bin stolz darauf, von dieser Galila unter die "schönen Seelen" gerechnet zu werden, und wenn man mich fragt, ich würde es vorziehen, mit Frau Huri in einem Haus zu wohnen, und nicht mit Galila Barkai. Der Grund ist einfach der, daß Frau Huri eine charmante, intelligente und zivilisierte Frau ist, während Galila Barkai genau das Gegenteil verkörpert. Schande über den Staat Israel, daß er solche Menschen hervorbringt!
Aber es handelt sich nicht einfach bloß um Nachbarschaftsbeziehungen. Wir müssen das gefährliche und sinnlose Gerede von der "rein-jüdischen Stadt" in Mißkredit bringen. Die Patrioten von Ober-Nazareth nehmen für sich in Anspruch, dieses Wort von Ben Gurion übernommen zu haben, der aber doch gewiß keine rassische Diskriminierung im Sinn hatte. [Kommentar] Mir will einfach nicht in den Kopf, daß der Ausdruck "rein", in diesem Zusammenhang gebraucht, bei Juden keine Assoziationen und keine Erinnerungen auslösen soll. Die meisten der Teilnehmer dieser Sendung, auf der jüdischen Seite, zeigten sich jedenfalls völlig unbeeindruckbar. Es sind Repräsentanten des widerwärtigen Israel, des "Araber-reinen". Diese enthusiastischen Chauvinisten dürften wohl die ersten sein, die auf die "schönen Seelen" einschlagen werden, die sich einen jüdischen Staat wünschen und die Siedlungen jenseits der grünen Grenze (d.h. in den besetzten Gebieten; Zusatz d. Obers.) ablehnen...
Jede Diskriminierung, wie wir sie in Ober-Nazareth sehen, die zu scheußlichen Gewaltakten greift und zu Schandlisten von denjenigen, die Wohnungen an Araber verkauft haben, ist eine rassistische Diskriminierung im antisemitischen Stil. Galila und Alexander und die übrigen MENA-Mitglieder sind israelischer KU-KLUX-KLAN im wahrsten Sinn, und eines nicht so fernen Tages werden sie womöglich auch weiße Kapuzen überziehen und Scheiterhaufen anzünden, und das alles im Namen eines "Judentums", dessen Antlitz und Wesen sie bis zur Unkenntlichkeit entstellt haben. [Kommentar]
|